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Davium

Was in den Wechseljahren beworben wird und was davon belegt ist

Isoflavone, Ashwagandha, Kollagen, Rhodiola: vier Substanzen, vier völlig unterschiedliche Evidenzlagen. Was randomisierte Studien tatsächlich zeigen, statt was auf der Verpackung steht.

Von der Davium-Redaktion10 Min. Lesezeit

Vier Substanzen tauchen in praktisch jedem Wechseljahres-Regal auf: Soja-Isoflavon, Ashwagandha, Kollagen, Rhodiola. Die Marketingsprache ist bei allen vieren ähnlich selbstbewusst. Die tatsächliche Studienlage ist es nicht. Wir haben uns für jede Substanz die randomisierten Studien angesehen, nicht die Werbetexte.

Soja-Isoflavon: die mit Abstand solideste Evidenz

20,6 % weniger Hitzewallungen

Metaanalyse randomisierter, placebokontrollierter Studien zu extrahiertem oder synthetisiertem Soja-Isoflavon, Häufigkeit von Hitzewallungen gegenüber Placebo

Quelle 1

Eine Metaanalyse im Fachjournal Menopause der North American Menopause Society wertete 19 randomisierte, placebokontrollierte Studien aus. Ergebnis: Isoflavon-Präparate reduzierten die Häufigkeit von Hitzewallungen um 20,6 Prozent und die Schwere um 26,2 Prozent gegenüber Placebo, statistisch signifikant. Quelle 1 Eine unabhängige Cochrane-Übersichtsarbeit, der methodisch strengste Studientyp, den es in der Medizin gibt, kommt zu einer ähnlichen Einordnung für Phytoöstrogene insgesamt. Quelle 2

Von den vier hier behandelten Substanzen ist Isoflavon die einzige mit einer Cochrane-Übersichtsarbeit im Rücken. Das ist ein echter Qualitätsunterschied, kein Marketingbegriff.

Ashwagandha: früh, aber nicht unplausibel

Zwei randomisierte, placebokontrollierte Studien der letzten Jahre haben Ashwagandha-Wurzelextrakt gezielt bei Wechseljahresbeschwerden getestet, eine mit 60, eine mit 91 Teilnehmerinnen. Beide zeigten statistisch signifikante Verbesserungen bei Hitzewallungen und im Menopause Rating Scale. Quelle 3 Quelle 4

Das ist ehrlich der interessanteste Fall der vier: Nicht widerlegt, nicht bestätigt, sondern in einem frühen Stadium, in dem Vorsicht angebracht ist, ohne die Substanz vorschnell abzuschreiben.

Kollagen: der Mechanismus stimmt, der Beleg fehlt

Kollagen wird in der Wechseljahres-Vermarktung fast immer mit demselben Argument verkauft: Sinkendes Östrogen verlangsamt die körpereigene Kollagenproduktion, also muss man nachliefern. Der erste Teil dieser Aussage ist biologisch plausibel und mechanistisch nachvollziehbar. Der zweite Teil, dass eine Kollagen-Supplementierung typische Wechseljahresbeschwerden lindert, wurde in keiner uns bekannten randomisierten Studie direkt untersucht. Was wir zur allgemeinen Wirksamkeit von Kollagen-Pulver wissen, unabhängig von den Wechseljahren, haben wir bereits ausführlich in Kollagen-Pulver: Wirkt es, oder wirkt nur das Geld dahinter? eingeordnet.

Rhodiola: die Studie, die oft zitiert wird, testet gar nicht das, was behauptet wird

Der problematischste Fall. Die am häufigsten zitierte randomisierte Studie zu Rhodiola bei Wechseljahresbeschwerden hatte vier Studienarme: niedrig dosierte Traubensilberkerze, hoch dosierte Traubensilberkerze, niedrig dosierte Traubensilberkerze kombiniert mit Rhodiola, und Placebo. Quelle 5

Die übrigen Rhodiola-Studien, die wir gefunden haben, untersuchen allgemeinen Stress, Erschöpfung oder kognitive Leistung, nicht Wechseljahresbeschwerden im engeren Sinn, und lassen sich nicht einfach übertragen. Eine oft zitierte Übersichtsarbeit, die Rhodiola als möglichen “natürlichen SERM” (selektiver Östrogenrezeptor-Modulator) einordnet, ist eine theoretische Diskussion von Wirkmechanismen, keine klinische Studie. Quelle 6

Die Substanzen im Überblick

Substanz Direkte Studien zu Wechseljahresbeschwerden Qualität der Evidenz
Soja-Isoflavon Ja, mehrfach, plus Cochrane-Review Solide
Ashwagandha Ja, zwei kleine RCTs Früh, vielversprechend
Kollagen Nein, nur Mechanismus-Plausibilität Ungeprüft für diese Anwendung
Rhodiola Nur in Kombinationspräparaten getestet Nicht isoliert belegbar

Häufige Fragen

Welches Nahrungsergänzungsmittel hilft am besten in den Wechseljahren?
Von den vier häufig beworbenen Substanzen hat Soja-Isoflavon die mit Abstand solideste Studienlage, mit einer Cochrane-Übersichtsarbeit und einer unabhängigen Metaanalyse, die eine signifikante Reduktion von Hitzewallungen zeigen. Ashwagandha zeigt erste positive, aber noch nicht unabhängig bestätigte Ergebnisse. Für Kollagen und Rhodiola fehlen direkte Studien zur Wirkung bei Wechseljahresbeschwerden.
Wirkt Rhodiola gegen Wechseljahresbeschwerden?
Die einzige relevante randomisierte Studie testete Rhodiola nie allein gegen Placebo, sondern nur in Kombination mit Traubensilberkerze. Ob Rhodiola selbst etwas beiträgt, lässt sich aus dieser Studie nicht ableiten.
Hilft Kollagen gegen Wechseljahresbeschwerden?
Der Mechanismus, sinkendes Östrogen verlangsamt die körpereigene Kollagenproduktion, ist gut belegt. Eine direkte Studie, die zeigt, dass Kollagen-Supplementierung typische Wechseljahresbeschwerden lindert, existiert bislang nicht.

Tiefer eintauchen

Quellen

  1. 1.Taku, K., Melby, M. K., Kronenberg, F., Kurzer, M. S., Messina, M. (2012). Extracted or synthesized soybean isoflavones reduce menopausal hot flash frequency and severity: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Menopause, 19(7), 776-790. Zur Quelle
  2. 2.Lethaby, A., Marjoribanks, J., Kronenberg, F., Roberts, H., Eden, J., Brown, J. (2013). Phytoestrogens for menopausal vasomotor symptoms. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 12, CD001395.
  3. 3.Vani, I., Muralidhar, G., Rao, B. S. (2026). A prospective, randomized, double-blind, placebo-controlled study on efficacy and safety of Ashwagandha root extract for managing menopausal symptoms in women. Frontiers in Reproductive Health, 7:1647721. Zur Quelle
  4. 4.Gopal, S., Ajgaonkar, A., Kanchi, P., Kaundinya, A., Thakare, V., Chauhan, S., Langade, D. (2021). Effect of an ashwagandha (Withania Somnifera) root extract on climacteric symptoms in women during perimenopause: A randomized, double-blind, placebo-controlled study. Journal of Obstetrics and Gynaecology Research, 47(12), 4414-4425. Zur Quelle
  5. 5.Pkhaladze, L., Davidova, N., Khomasuridze, A., Shengelia, R., Panossian, A. G. (2020). Actaea racemosa L. Is More Effective in Combination with Rhodiola rosea L. for Relief of Menopausal Symptoms: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Study. Pharmaceuticals, 13(5), 102. Zur Quelle
  6. 6.Gerbarg, P. L., Brown, R. P. (2016). Pause menopause with Rhodiola rosea, a natural selective estrogen receptor modulator. Phytomedicine, 23(7), 763-769. Zur Quelle

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